24. Jungfrau-Marathon 2016

Hühnerhaut an der Jungfrau

Ein kleiner Erlebnisbericht von meinem ersten Marathon.

Vor einem halben Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich dieses Jahr schon am Jungfrau Marathon teilnehmen würde. Ich plante dieses Jahr am Grand Raid in Verbier teilzunehmen. Doch eine  Hochzeitsfeier an dem angesagten Termin durchkreuzten meine Pläne. So suchte ich eine Alternative.  Grundsätzlich plante ich den Jungfrau Marathon im nächsten Jahr zu absolvieren.

Mit Fritz hatte ich mich im Frühjahr während eines Sonntags – Trainings lange über diesen Marathon unterhalten und dabei hat das innere Feuer für diesen Lauf in mir angefangen zu lodern. Ein Jahr früher als eigentlich geplant.

Nun stand ich da, am Samstagmorgen mit Sonja, Marianne, Kusi und weiteren ca. 4000 Teilnehmer am Start in Interlaken. Die Anspannung bei mir war gross. Und aus unerklärlichen Gründen kamen ungute Gefühle hoch. Ich stellte mir x mal die Frage, was mache ich da eigentlich? Schaffe ich das? Plötzlich, so kurz vor dem Start, bekam ich Zweifel und ich musste mir gut zureden. Aber Sonja, die neben mir stand, gab mir in dieser Situation die nötige Ruhe und Sicherheit. Vermutlich hat sie nicht mitbekommen, wie es in mir rumorte, und ich wollte sie auch nicht mit meinen Problemchen belasten.  Ich war froh, als es um neun Uhr endlich losging. Schnell fand ich meine innere Ruhe wieder und ich konnte einen angenehmen Rhythmus angehen. Das Feld zog sich schnell in die Länge und schon bald hatte ich genügend Platz um mich herum.

Rasch waren wir in Bönigen, wo unsere Betreuer Christa, Gere, Fritz, Pole und Dani uns zum ersten Mal anfeuerten. Mein innerer Zeitplan sah vor, dass ich unter 50 min. in Wilderswil sein wollte. Mein Rhythmus passte, und die Kilometer verflogen im zügigen Tempo.  Wilderswil passierte ich unter 50 min. Mein Selbstvertrauen steigerte sich und so nahm ich den Weg Richtung Lauterbrunnen unter die Füsse. In jedem Dorf, das wir passierten, war ein richtiges Volksfest im Gange. Einfach unbeschreiblich. Auf dem Pfad Richtung Lauterbrunnen ging die Rechnerei weiter. Im inneren stellte ich mir vor dem Start vor,  bei ca. 1.45 – 1.50h den Halbmarathon zu passieren. In Lauterbrunnen angekommen war es schlicht und einfach überwältigend welche Zuschauermassen uns Läufer am Strassenrand unterstützten. Solch eine Stimmung habe ich noch selten erlebt! Ausserhalb von Lauterbrunnen war es plötzlich wieder still, und ich konnte mich wieder auf mich selber konzentrieren. Den Halbmarathon passierte ich in 1.46. Ich war über mich selbst überrascht, dass ich ohne grössere Mühe dieses Tempo über diese Distanz brachte. Im sehr steilen Aufstieg nach Wengen merkte ich, dass es immer besser lief. Ich konnte in einem sehr zügigen Marschschritt Höhenmeter um Höhenmeter erklimmen. Dies im Wissen, dass Fritz irgendwo stehen würde, und mir meinen persönlichen Bidon zu überreichen. Ich überholte in diesem Abschnitt unzählige Läufer und steigerte mich in einen Rausch. Plötzlich kam Angst auf, dass ich den Motor viel zu früh überdrehen würde und so gnadenlos in dem Hammermann hineinrennen werde. Aber ich zog durch….. In Wengen wieder diese Menschenmenge! Wahnsinn diese Stimmung! Nach Wengen versuchte ich mich neu zu orientieren und konnte erstaunlicherweise weiter einen schönen Laufschritt aufrechterhalten. Nach der Passage des Haneggschusses überkam mich die Übelkeit und im Kopf begann ein Kampf, im inneren merkte ich, dass ich meine fünfstunden Marke sicher erreichen werde. Das löste irgendwie den Druck und plötzlich stampfte ich wie ein Elefant Schritt für Schritt den Berg hinauf. In dieser Phase des Rennens schaute ich vermehrt auch mal in die Gesichter der anderen Teilnehmer und sah, dass auch diese angezählt waren und jeder mit sich selbst beschäftigt war. Mit Cola konnte ich die Übelkeit beseitigen und der Zuckerschub verhalf mir, wieder etwas zu Kräften zu kommen. Meter um Meter kämpfte ich mich zur langersehnten Moräne. Denn irgendwie freute ich mich auf diesen steilen Anschnitt, was mir besser behagte, als die eher langweiligen, welligen Kilometer Richtung Moräne. Die Stimmung hinauf zur Moräne steigerte sich von Meter zu Meter. Bei den Alphornbläsern standen mir die Tränen zu forderst. Wieso weiss ich nicht mal so genau, aber das Gefühl kurz vor dem Ziel zu sein war überwältigend. So eine Sportveranstaltung in Mitten einer einmaligen Bergwelt.

Das Ziel war vor Augen und die letzten Meter genoss ich nochmals in vollen Zügen. Nochmals diese Stimmung. Wahnsinn!

Glücklich und von Glücksgefühlen überschwemmt passierte ich nach 4.37h das Ziel. Viel schneller als ich mir das erträumen liess. Als ich das Rugen – Bier Zelt sah, leuchteten meine Augen noch mehr. Endlich keine Iso Getränke mehr….. Prost!

Alle vom LSV gestarteten erreichten das Ziel. Was für ein schöner Erfolg für jeden einzelnen.

Ein riesen Dankeschön unseren Betreuern: Christa, Fritz, Pole, Geru und Dani! Nur dank eurer Hilfe und Unterstützung konnten wir diese Leistung vollbringen.

Ich persönlich freue mich jetzt schon auf den nächsten Jungfrau Marathon im nächsten Jahr. Werde ich diesen wieder mit solchen Gefühlen erleben können? Wir werden sehen. Die Vorfreude ist aber jetzt schon da. Mit sportlichem Gruss Beni

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Resultate:

83. Benj Morf 4:37.33,6 (M40)

79. Markus Wülser, 4:42.25,1 (M45)

26. Sonja Rüeggsegger, 5:02.18,9 (F45)

73. Marianne Perren, 5:27.37,6 (F40)

83. Margrit Jaussi 5:35.26,0 (F40)

65. Erika Zangger, 5:35.56,3 (F45)

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